Konstanz erwartet Lübeck

Foto: Michael Elser

2.Bundesliga
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Erst wird einiges vor der Halle für Kinder, Eltern und Großeltern beim REMAX/HSG-Familyday geboten, um 20 Uhr möchte die HSG Konstanz am
morgigen Samstag dann gegen den Ex-Erstligisten und DHB-Pokalsieger von 2001, den VfL Lübeck-Schwartau, trotz der schwierigen Aufgabe sportlich so einiges gegen den Aufstiegskandidaten anbieten.

Denn das bittere Ende bei der 26:27-Niederlage in der Schlusssekunde beim ThSV Eisenach nach einer Sechs-Tore-Führung klang zunächst noch etwas nach. Mucksmäuschenstill war es im Mannschaftbus auf der knapp 500 Kilometer weiten Rückfahrt, so still wie kaum einmal zuvor. „Das war schon hart“, gesteht Daniel Eblen. Doch im gleichen Atemzug erklärt er sofort: „Wir sind darüber hinweg. Wir müssen weitermachen.“ Weitermachen mit den guten Vorstellungen nach dem direkten Wiederaufstieg in die 2. Handball-Bundesliga gegen die Topteams der Liga.

Bislang war es in jedem Spiel der Konstanzer bis zur letzten Sekunde hochspannend, doch dreimal mussten sie sich nach Niederlagen mit einem oder zwei Toren mit lobenden Worten zufrieden geben.

Vor allem technische Fehler, über die ganze Mannschaft verteilt, verhinderten in Thüringen den ersten Saisonsieg. Nicht besonders clever habe man sich vor allem in den letzten Minuten angestellt, gesteht der HSG-Coach. „Wir haben viel zu früh den Abschluss gesucht“, sagt er zur verhängnisvollen Szene mit einem Offensivfoul in Überzahl und ohne angedrohtes Zeitspiel. Aber auch defensiv war man nicht mehr so gut organsiert wie noch in der ersten Halbzeit. Es sind immer wieder Phasen im Spiel der jungen Mannschaft, „in denen es hakt“, so Eblen. „Hier fehlen die einfachen Tore.“

Sowie die Ruhe, auch in kritischen und engen Situationen die Nerven zu behalten. Diese Erfahrung und Coolness scheint einer der jüngsten Mannschaften der Liga aktuell noch zu fehlen.
Für den Trainer Bereiche, auf die schwer Einfluss zu nehmen ist. Die Drucksituationen des Wettkampfes lassen sich nur bedingt trainieren und in der
letzten Saison blieb der HSG bei oft eindeutigen Spielverläufen in der 3. Liga die Prüfung in Sachen „Killerinstinkt, möchte ich es mal nennen“, so der Trainer, meist erspart. Dann, wenn es um jeden Angriff geht, müssen sich die Gelb-Blauen noch für gute Leistungen belohnen. Gegen Tabellenführer Hamm gelang dank einer furiosen Aufholjagd schon die erste Überraschung. Als nichts anderes würde ein Punktgewinn gegen den VfL Lübeck Schwartau durchgehen, der mit aktuell 82 Gegentoren die beste Defensive der Liga stellt. Neben Dennis Klockmann, Ex-Keeper des THW Kiel und mehrmals als bester Torhüter der Liga ausgezeichnet, stehen dafür viele erfahrene Kräfte, die zudem schon seit Jahren zusammenspielen.

Eblen: „Es kommt eine echte Wand auf uns zu. Da benötigen wir mehr Geduld.“ Das wird sowohl für die Abwehr als auch den Angriff gelten. Denn außer dem sichersten Riegel der Liga vor zwei exzellenten Schlussmännern hat die ambitionierte Mannschaft aus der 217 000 Einwohner zählenden Hanse-stadt an der Ostsee noch mehr zu bieten. Wenn der 18 Jahre in der 1. Bundesliga beheimatete Club aus dem Flugzeug steigern wird, sind mit Piotr Przybecki der vormalige polnische Nationaltrainer, Nikola Potic – serbischer Nationalspieler mit Champions-League-Erfahrung –, der isländische Auswahlspieler Dadi Runarsson und erfahrene Topspieler wie Martin Waschull und Markus Hansen dabei. „Das wird uns vorne wie hinten alles abver-langen“, ist sich der gebürtige Konstanzer sicher. „Wir werden einiges leisten müssen, um mithalten zu können.“

In der Vergangenheit jedoch sah Konstanz meist nicht schlecht gegen die Nordlichter aus, die knapp 900 Kilometer zu bewältigen haben. Doch auch dort
blickt man der Partie am Bodensee mit Respekt entgegen. Polens ehemaliger Nationalspieler und Nationaltrainer Piotr Przybecki sagt: „Die HSG hat bis jetzt einen sehr guten Eindruck hinterlassen, hat schnell und mutig gespielt und dreimal denkbar knapp verloren.“ Auf Seiten der Schleswig-Holsteiner erwartet man „eine sehr interessante Partie mit viel Tempo und Kampf“, so der studierte Sportlehrer.
Das zumindest erhofft sich auch sein Gegenüber. Ziel sei es, erklärt Daniel Eblen, „erst einmal über 60 Minuten mitzuhalten. Dafür müssen wir viel arbeiten.“ Verbunden mit der Hoffnung, dass mit den gemachten Erfahrungen der nächste Schritt „auf ein neues Niveau“ gelingen möge. Denn aller Stille auf der Heimfahrt zum Trotz: Mut geben dürfen die guten Auftritte genauso. Daniel Eblen ruft die Situation vor dem schweren Saisonstart noch einmal ins Gedächtnis, als nicht davon ausgegangen werden konnte, in jedem Spiel gegen die Spitzenmannschaften eine Siegchance kreieren zu können. „Das sind Anzeichen, dass wir gut drauf sind, die Jungs das gut umsetzen und sich nach der Vorbereitung sehr gut entwickelt haben“, deutet der unter der Woche 45 Jahre alt gewordene Übungsleiter. Wenn es nun wieder laut werden sollte in der Kabine, er könnte es wohl verschmerzen. Das nachträgliche Geschenk in Form von Zählbarem wäre herzlich willkommen.

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